"Lichtspiele in der Luft" von Michael Vollmer

Michael Vollmer: Lichtspiele in der Luft „Atmosphärische Optik für Einsteiger“
Spektrum-Verlag 2006, 360 Seiten, 16 S. farb. Abb., ca. 250 s/w-Skizzen u. –Fotos, 35,00 €

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Rezension von Werner Wehry
(erschienen in DMG-Mitteilungen 03-04/2005 - Wiedergabe mit freundlicher Genehmigung der Redaktion)

Michael Vollmer, Professor für Experimentelle Physik an der Fachhochschule Brandenburg, beschreibt sein außerordentlich farbiges und vielfältiges Spezialgebiet nun in einem sehr ansprechenden Buch. „Wer die Natur liebt, braucht das Beobachten ihrer Erscheinungen wie die Luft zum Atmen“ – so beschreibt Marcel Minnaert das Bedürfnis der Naturbeobachtung in seinem Berühmten 1937 erschienenen Buch „Licht und Farbe in der Natur“.

Nicht nur als Physiker ist der Autor fasziniert von den optischen Phänomenen der Atmosphäre, auch die Entstehung der Erscheinungen und die physikalischen Gesetzmäßigkeiten sollen erläutert werden. Dies bedeutet für den Autor ein Dilemma, das eigentlich nicht lösbar ist. Er beschreibt es im Vorwort  folgendermaßen: „Im vorliegenden Buch soll der Spagat versucht werden, einerseits mehr oder weniger populärwissenschaftlich die Phänomene anschaulich und einfach zu erläutern, andererseits aber auch in die Tiefe zu gehen.“ Für den physikalisch Gebildeten (Meteorologen) ist das Buch immer wieder ein Aha-Erlebnis, denn an Hand der vielen Abbildungen sind alltägliche, jedoch sich nicht selbst erklärende Erscheinungen
wie z.B. Halos oder Regenbogen physikalisch hervorragend dargestellt. Der physikalisch weniger gebildete Laie kann dennoch die Erklärungen bestens verstehen, ohne die speziellen Details nachvollziehen zu müssen.

Übrigens ist das Buch auch als Nachschlagwerk für die optischen atmosphärischen Phänomene gut nutzbar. Je nach Wissensdurst kann man die einfache und verallgemeinerte Erklärung oder auch die tiefer gehende physikalische zu Rate ziehen.

Als Einstimmung werden auf 16 Farbseiten, jeweils den entsprechenden Kapiteln zugeordnet, zum Teil spektakuläre Fotos wieder gegeben – aus Kostengründen leider sehr klein, was die Wirkung dieser Fotos stark beeinträchtigt *). Kapitelweise folgen die Beobachtungs-Ergebnisse und Erklärungen zu Luftspiegelungen (Fata Morgana), Regenbögen, Halo-Erscheinungen, Koronen und  irisierenden (farbigen) Wolken sowie Glorien. Breiten Raum nehmen auch die Entstehung der blauen sowie der übrigen vielfältigen Himmelsfarben ein, wie Abendrot, Polarlicht, Leuchtende Nachtwolken, grünes Leuchten und elektrische Phänomene.

Das spektakuläre Titelfoto wird allerdings erst auf Seite 309 erklärt – und auch der Fachkundige wird etwas Zeit benötigen, um zu erklären, warum „der Mond einen Schatten“ wirft – was er natürlich nicht tut: Vielmehr steht die bereits untergegangene Sonne genau gegenüber dem Mond, der von den direkten Sonnenstrahlen wegen der Rauchwolke des aufsteigenden Space Shuttle nicht erreicht wird. Da in der Atmosphäre die Sonnenstrahlen gestreut werden (s. blaue Himmelsfarbe!), hinter der Rauchfahne jedoch nicht, bleibt dort der Himmel dunkler.

Das Buch liest sich nicht nur sehr gut, es liegt auch gut in der Hand, wie es ein „handliches“ Nachschlagwerk auch sein sollte. Zwei Kleinigkeiten fielen auf, die eher zum Lächeln reizen: Auf Seite X der Farbtafeln beim Foto F 9.1 ist die Frage des Autors nach dem korrekten Zitat stehen geblieben, und auf Seite 68, Bild 3.28, erstreckt sich die Atmosphäre horizontal statt vertikal, für Meteorologen ein ungewohnter Anblick.

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