"Max Robitzsch - Polarforscher und Meteorologe" von Hans Steinhagen

Hans Steinhagen, 2008, Max Robitzsch: Polarforscher und Meteorologe.
Druckhaus Frankfurt (Oder) GmbH, Lindenberg,
200 S., 86 SW-Abb., ISBN 978-3-939960-06-5. 16,80 .

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Rezension von Cornelia Lüdecke
(erschienen in DMG-Mitteilungen 01/2009 - Wiedergabe mit freundlicher Genehmigung der Redaktion)

Den älteren Meteorologen wird „der Robitzsch“, ein Bimetallaktinograph zur Messung der Gesamtstrahlung, sicherlich noch ein Begriff sein. Robitzsch hatte ihn während seines Aufenthalts am deutschen Observatorium auf Spitzbergen (1912–1913) entwickelt, wo er unter der Leitung von Kurt Wegener hauptsächlich aerologische Aufstiege durchführte. Die geplante zweite Überwinterung (1914–1915) fiel kriegsbedingt leider aus, dennoch behielt Robitzsch Zeit seines Lebens das Interesse an der Polarforschung. Während des Ersten Weltkrieges wurde er zunächst ins Luftschifferbataillon eingezogen, bevor er später eine Felddrachenwarte leitete. Nach dem Krieg kehrte er nach Lindenberg zurück, wo er nun unter anderem aerologische Beobachtungsmethoden und die Datenauswertung verbesserte. Auch entwickelte er aufgrund seiner reichhaltigen praktischen Erfahrung weitere Meßgeräte. Daneben war er nach seiner Habilitation im Jahr 1928 zusätzlich als begeisterter Hochschullehrer in Berlin tätig. 1935 wurde er im neu gegründeten Reichsamt für Wetterdienst zum Leiter der Abteilung Aerologie berufen. 1937 erfolgte der Wechsel zur Leitung der Instrumentenabteilung und später zur Leitung der Wissenschaftlichen Abteilung. Robitzsch‘ Nachkriegsschicksal war geprägt durch die amerikanische und russische Kriegsgefangenschaft. Nach seiner Entlassung im Sommer 1948 bekleidete er für 16 Monate den Direktorenposten des Lindernberger Observatoriums. Schließlich erhielt er den Ruf auf den renommierten Lehrstuhl des Instituts für Geophysik in Leipzig. Zwei Jahre später starb Robitzsch an Herzversagen.

Steinhagen ergänzt diese biographischen Fakten durch unveröffentlichte Auszüge aus Robitzsch‘ Tagebüchern und sonstigen Aufzeichnungen aus seinem Nachlaß. 86 Abbildungen, davon betreffen 36 den Spitzbergenaufenthalt, illustrieren seinen Lebensweg. Ein Personenregister mit interessanten Kurzbiographien und ein ausführliches Literaturverzeichnis, das auch eine Übersicht von Robitzsch‘ Arbeiten enthält, sowie eine Chronologie der wichtigsten Fakten aus seinem Leben ergänzen die geschickt zusammengestellte detailreiche Biographie. Sie liest sich sehr gut und ist jedem zu empfehlen, der sich für die Geschichte der Aerologie und des Deutschen Observatoriums auf Spitzbergen bzw. insbesondere auch für die Arbeiten am Aeronautischen (später: Aerologischen) Observatorium in Lindenberg interessiert.

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