"Der Wolkenatlas" von B. Mühr und W. Berberich

Mühr B., W. Berberich: Der Wolkenatlas und ein Ausflug in die Astronomie,
KunstSCHÄTZEverlag, kartoniert, 21 mal 27 cm, 320 Seiten, mehr als 400 Farbbilder, € 49,80.

--> bestellen bei Meteorologie-buecher.de

Rezension von Werner Wehry
(erschienen in DMG-Mitteilungen 04/2008 - Wiedergabe mit freundlicher Genehmigung der Redaktion)

Seit vielen Jahren betreibt der Meteorologe Bernhard Mühr die Internetseite www.wolkenatlas.de, die viele seiner weltweit aufgenommenen Wolkenfotografien enthält (sowie etliche weitere Gast-Fotos). Meines Wissens ist dies die einzige Internetseite mit zahlreichen Wolkenfotos, die auch fachlich hervorragend beschrieben werden.

Auch für den Meteorologischen Kalender der DMG, der im Jahre 1982 begründet wurde, kamen ab Anfang der 1990er Jahre vom damaligen Studenten Bernhard Mühr erste Bildvorschläge. Inzwischen sind Bilder in vielen Kalendern verwendet worden. Es lag somit durchaus nahe, aus den vielen Bildern und Texten ein Buch zu erarbeiten, welches das gesammelte Wissen über die vielfältigen Wolken, die am Himmel zu sehen sind, zusammenfaßt und einem größeren Leserkreis zugänglich machen kann.

Das im März 2008 erschienene Buch ist sehr sorgfältig erstellt worden, die Texte sind gerade auch für Laien sehr gut verständlich. Zu Beginn wird über die Geschichte der Wolken-Benennung berichtet, die im Jahre 1803 mit Luke Howards rein empirischen – von der Beobachtung herrührenden - lateinischen Namen den weltweiten Durchbruch hatte. Immerhin war ja damals Latein die überall verstandene Weltsprache. J. W. Goethe war von den Beschreibungen fasziniert, hat selbst Wolken gezeichnet und die Nomenklatur mit verbreitet. Die  Bezeichnungen sind bis heute gültig und durch die Richtlinien der WMO (World Meteorological Organization) seit dem Erscheinen des ersten Cloud Atlas (1932), dem mehrere weitere Ausgaben folgten, verfeinert.

Zunächst werden in Wort, Bild und Tabellen die verschiedenen Wolkenformen zusammen mit ihren  lateinischen Namen und deren Abkürzungen - übersichtlich vorgestellt, was aber auch die Schwierigkeit der Wolkenbezeichnungen darstellt: Welcher Meteorologe kann schon einen „Ac str pe du un mam“ (S. 75)  definieren: Dies ist ein Altocumulus stratiformis perlucidus duplicatus undulatus mamma, einfach  ausgedrückt: eine zweischichtige (stratiformis duplicatus) zum Teil durchsichtige (perlucidus) wellenförmige (undulatus) Altocumulus-Wolke mit einigen beutelförmigen (mamma) Ausbuchtungen. Zugegeben, dies ist schon etwas für Fortgeschrittene, aber im zugehörigen Text wirklich gut erklärt.

Auch die Physik der Wolken wird – allerdings nur kurz – vorgestellt; es ist ja auch nicht Ziel dieses Buches, die Vorgänge in der Atmosphäre zu interpretieren, vielmehr sollen die Vielfalt und auch die Schönheit der Wolken fachlich vorgestellt werden. Sehr schön ist z.B. auch der Begriff „radiatus“ (= zu oder von einem Punkt verlaufend, radial) an Cirrusbändern (S. 29) erklärt, die zum Horizont hin zu einem Punkt zu gehen scheinen, in Wirklichkeit aber parallel verlaufen. Der Autor hält es durch, meist nur ein (oftmals spektakuläres) Foto pro Seite zusammen mit einem kurzen Text zu bringen und auf der daneben stehenden Seite an Hand von weiteren – kleinen – Fotos sowie Texten nahezu alles zu erklären,auf insgesamt 185 Seiten.

Danach folgt bis Seite 265 ein Exkurs in die ebenso interessante und vielleicht noch filigranere Welt der atmosphärischen Optik, die an Hand von Fotos, Skizzen und erklärenden Texten vorgestellt wird. Halos, Nebensonnen, Glorien, Coronae, Licht und Schatten,Dämmerungserscheinungen und Regenbögen werden beschrieben, aber auch Blitze, Nebel, Vulkan- und Gebirgswolken. Und auch die kristalline Welt von Schnee, Raureif, Eisblumen, Eiszapfen, Kammeis (das aus nassem Holz oder aus Bodenfurchen bei starkem Frost wächst) sowie Glatteis kommt nicht zu kurz. 

Besonders interessant wird es, wenn „Große Zahlen – erstaunliche Fakten“ vorgestellt werden. Wer weiß schon, wie viel eine kleine, flauschige sommerliche Quellwolke wiegt (S. 266): Bei einer Größe von 500 mal 500 mal 500 Meter und einem durchschnittlichen Tröpfchenradius von 9 μm (= neun Tausendstel  Millimeter) ergibt sich als Gewicht der Wolke 112,5 Tonnen!

Abschließend (Seite 274 bis 313) gibt es den Ausflug in die Astronomie, den der Fotograf und Kunstgeschichtler Wilfried Berberich kenntnisreich mit kurzen Texten und vielen Bildern gestaltet hat. Hier geht es zunächst um Alltägliches wie Sonne und Mond, schon bald werden Sonnen- und Mondfinsternisse beschrieben, aber auch Mond-Halos. Weiter geht es zu Kometen und einigen Sternbildern. Der schöne Astronomieteil hätte durchaus noch ausführlicher sein können – aber das Buch ist ja schon dick genug ... Sehr hilfreich ist ein Glossar mit gängigen meteorologischen Definitionen (Advektion bis Witterung).

Dieses Buch ist für jeden Leser und Betrachter, der Natur und ihre Schönheiten gezeigt und erklärt bekommen möchte, sehr empfehlenswert und seinen Preis wert!

Taxonomy upgrade extras: