"Klimaschock" von Günther Michler et al.

Günther Michler et al.: „Klimaschock.Ursachen, Auswirkungen, Prognosen“.
h.f.ullmann-Verlag, Potsdam,2010, 352 Seiten, 29,99 €

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Rezension von Jörg Rapp
(erschienen in DMG-Mitteilungen 02/2011 - Wiedergabe mit freundlicher Genehmigung der Redaktion)

Schon wieder ein Buch zum Thema Klimawandel und schon wieder ein derart reißerischer Titel – mag man denken. „Klimaschock“: was suggeriert das nicht alles? Bei näherer Betrachtung stellt der Leser aber relativ schnell fest, dass der Inhalt besser ist als der missglückte Titel. Ich könnte mir gut vorstellen, dass der Verlag aus verkaufsstrategischen Gründen diesen Titel wählte. Er wird der Intention, dem Inhalt und der Darstellungsweise des voluminösen, immerhin rund 350 Seiten umfassenden Werkes leider nicht gerecht.

Denn sowohl die  Auswahl der Themen als auch deren Präsentation sind für dieses populärwissenschaftliche Buch ungewöhnlich ausgewogen. Das Buch ist gut und reichlich illustriert und überdies gerade auch für „Klimalaien“ verständlich und interessant geschrieben. Es verschweigt auch nicht die eher skeptischen Meinungen zum Thema. In den Fokus werden allerdings die wesentlichen Aussagen zum Klimawandel gerückt: die erwärmende Wirkung der Treibhausgase und die Ergebnisse der Klimamodellrechnungen und -szenarien, die von einer globalen  Erwärmung zwischen 2 und 6 Grad ausgehen.

Auffällig ist, dass den Band zwar Naturwissenschaftler (Chemiker, Geographen, Geologen, Physiker) verfasst haben, darunter aber keine Meteorologen bzw. Klimatologen zu finden sind. Als Herausgeber fungiert vielmehr ein Geograph, Dr. Günther Michler, Herausgeber und Autor zahlreicher Sachbücher (Atlanten und Naturführer). Bis 2006 war er Akademischer Direktor mit Lehr- und Forschungstätigkeit auf dem Gebiet der Physischen Geographie an der Universität München.

Die wesentlichen Kapitel des Buches behandeln die Grundlagen des Klimawissens einschließlich einer kurzen Geschichte des Klimas, seiner Wirkungen auf die Evolution und der Erörterung der natürlichen und anthropogenen Ursachen für Klimaänderungen. Es wird ein Blick auf die historische und aktuelle Klimaforschung geworfen und die Folgen des Klimawandels für die Umwelt und die Menschen beleuchtet. Abschließend werden einige wichtige Strategien im Umgang mit dem Klimawandel vorgestellt und – ein besonderer Pluspunkt des Buches – ganz praktische Handlungsvorschläge für jeden Einzelnen von uns gegeben. An dieser Stelle sollen diese Empfehlungen wiederholt werden:

• Elektrogeräte austauschen,
• Ökostrom nutzen,
• Recyclingpapier benutzen,
• mehr Bahnreisen statt Flugreisen,
• mehr Naherholung statt Fernreisen,
• mehr regionale Landwirtschaft als exotische
Früchte,
• mehr ÖPNV statt MIV,
• mehr Mehrweg statt Einweg.

Leider bietet das Buch auch einige, wenige Schwächen, die hier nicht unerwähnt bleiben sollen: Sehr weithergeholt, um nicht zu sagen falsch, finde ich die Verbindung von Wetterhahn und Wetterhäuschen mit der Klimavorhersage (Seite 25). Der Konzentrationswert des Kohlendioxids, der auf Seite 32 mitgeteilt wird, ist veraltet, wie übrigens in vielen jüngst erschienenen Klimabüchern. Smog in Frankfurt am Main (Seite 117) ist kaum noch ein Thema. Und was haben „Bauernregeln“ und „Lostage“ (Seiten 140 f.) mit der Klimaforschung zu tun?

Abschließend sei gesagt, dass ich aufgrund des Titels „Klimaschock“ einige Tage skeptisch auf das Cover desauf meinem Schreibtisch wartenden Rezensionsexemplars geblickt habe. Beim näheren Durchblättern wurde mir dann aber gottlob schnell klar, dass hier ein umfassendes, solide recherchiertes und gut illustriertes, populärwissenschaftliches Buch herausgegeben wurde.

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