"So lügt man mit Statistik" von Walter Krämer

Walter Krämer: So lügt man mit Statistik.
Piper, überarbeitete Neuausgabe 2011, 208 Seiten, 9,95 €, ISBN: 9783492264136.

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Rezension von Jörg Rapp
(erschienen in DMG-Mitteilungen 03/2011 - Wiedergabe mit freundlicher Genehmigung der Redaktion)

Es fragt sich, was einfallsreicher ist: Wenn man einen Meteorologen, der tagtäglich mit Statistik umgehen muss, mit einem solchen Buch überrascht oder es sich doch lieber von einem mutigen Statistiker selbst schenken lässt. Denn das Buch hat es in sich. Es beschreibt einfach und verständlich die Fallstricke und Tricks, die es in diesem Metier gibt und die vorzugsweise in der Wirtschafts- und Medienwelt auch immer wieder benutzt werden. Ein seriös arbeitender Meteorologe sollte diese Manipulationen zwar ganz genau kennen, doch sie prinzipiell scheuen „wie der Teufel das Weihwasser“.

In 17 gleichermaßen lehrreichen wie witzigen Kapiteln beschreibt der Autor des Taschenbuches, Walter Krämer, die Fußangeln, die durch Statistiken, Fakten und Nachrichten ausgelegt werden. Er macht die Möglichkeiten der Manipulation mit Zahlen und Grafiken so offenbar, dass man meinen könnte, Statistik sei etwas grundsätzlich „Gefährliches“, gar „Unehrliches“. Er stellt dubiose Praktiken bei der grafischen Aufbereitung von Daten bloß, führt vorsortierte Stichproben und gefälschte Tests vor und deckt manipulierte Mittelwerte auf. Walter Krämer wurde übrigens 1948 geboren und ist Professor für Wirtschafts- und Sozialstatistik an der Universität Dortmund. Er ist Verfasser des bekannten „Lexikons der populären Irrtümer“ und Vorsitzender des „Vereins Deutsche Sprache e.V.“

Wir wissen doch alle, wie man einem Finanzberater auf den Leim geht. Er wird uns immer, egal wie die wirtschaftliche Entwicklung verläuft, einen Börsentrend zeigen, der nach oben weist. Der „Wirtschaftsexperte“ weiß nämlich ganz genau, wie er das Zeitintervall wählen muss, damit der Trend in die richtige Richtung läuft. Unser Hirn extrapoliert dann gerne weiter in die Zukunft. Und vor beidem, der bewusst subjektiven Wahl des Untersuchungszeitraumes und der gedanklichen Extrapolation kann bei der statistischen Trendanalyse nur gewarnt werden. Der Autor gibt im entsprechenden Kapitel des Buches wunderbar abschreckende Beispiele. Allerdings ist die von ihm angeführte Kurve des Club of Rome zu Kohlendioxid in der Atmos-phäre für Kritik dafür eher ungeeignet. Der tatsächlich im Jahr 2000 gemessene Wert belegt die Extrapolation aus den 70er und 80er Jahren, wenn auch nicht zahlengenau.

Und was sagt unser „Altmeister“ Goethe zur Statistik? „Man hat behauptet, die Welt werde durch Zahlen regiert: das aber weiß ich, dass die Zahlen uns belehren, ob sie gut oder schlecht regiert werde“, so Goethe am 31. August 1830 zu Eckermann.

Das Buch ist für alle die, die Selbstironie verstehen und es mit der Statistik dennoch ernst nehmen, ein wunderbares Geschenk. Gerade auch mit der Goetheschen Erkenntnis.

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