"Kein Durchkommen" von Bohnet Pleitgen

Ann-Monika Pleitgen, Ilja Bohnet: Kein Durchkommen,
ariadne kriminalroman, Argument-Verlag, 2010, 252 Seiten, 11,00 €

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Rezension von Jörg Rapp
(erschienen in DMG-Mitteilungen 01/2011 - Wiedergabe mit freundlicher Genehmigung der Redaktion)

Sind Ähnlichkeiten mit der Realität rein zufällig? Was das „Set“ des hier vorgestellten Romans betrifft, ist das sicher nicht richtig. Denn „Kein Durchkommen“, ein Kriminalroman, der in der ariadne-Romane des Argument-Verlags erschienen ist, spielt am Institut für Meteorologie in Hamburg, das es ja tatsächlich gibt. Die Umgebung ist also echt, die Personen und Charaktere und (hoffentlich) auch die Handlung sind es allerdings nicht. Höchstens, dass Insider der Hamburger Meteorologenszene sich ab und zu an ähnliche Begebenheiten, Episoden oder gar Persönlichkeiten erinnert fühlen. Von einem Selbstmord oder gar Mord ist mir aber aus dem hohen Norden nichts bekannt.

Denn darum „dreht sich der Handlungsfaden“ (a la Ariadne): Das Verschwinden des zum Team des CORVUS-Projektes gehörigen Computerexperten macht ratlos. Die Mitarbeiterin der Arbeitsgruppe, Nikola Rühmann, soll im Auftrag ihres Chefs das Rätsel lösen. Das tut sie, immer noch eingebunden in ihrem Wissenschaftsalltag, der Analyse von Satellitendaten nämlich, schon fast wie eine Tatort-Kommissarin. Der Spannungsaufbau im Roman ist klassisch und dennoch nicht langweilig, sondern vielmehr unterhaltsam. Eine wunderbare Lektüre also zur Erholung. Und der besondere Reiz des Werks ist der kriminalistische Blick auf die Welt der meteorologischen Forschung, der überraschend realitätsnah gelingt.

Wenn denn ein Kriminal-, oder sagen wir also besser, ein Unterhaltungsroman aus dem Meteorologen-Milieu erscheint, dann schauen wir gerne ganz genau auf kleine Mängel, Unzulänglichkeiten, Petitessen. Es gibt nur wenige davon, etwa, dass die „Scheerwinde“ im Roman mit doppeltem „e“ geschrieben werden. Oder dass die „Thermik“ der Erdatmosphäre etwas schräg erklärt wird. Aber das kann man den Autoren nachsehen. Das ist nicht wirklich wichtig in einem Roman. Vielmehr überrascht, dass wir ganz nebenbei und korrekt den Unterschied zwischen Wetter- und Klimavorhersage erklärt bekommen. Oder dass wir lernen, dass es öffentlich zugängliche Daten des DWD gibt.

Am Ende wird das Rätsel um den verschwundenen Wissenschaftlicher gelöst. Finale furiosum. Aber ob es Yuri Smirnoff wirklich gab, habe ich bis jetzt noch nicht herausbekommen.

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