"Naturkatastrophen" von Christa Hammerl, Thomas Kolnberger, Eduard Fuchs (Hg.)

"Naturkatastrophen. Rezeption- Bewältigung-Verarbeitung" von Christa Hammerl, Thomas Kolnberger, Eduard Fuchs (Hg.)
Studien-Verlag, Wien, 2009, 215 Seiten, ISBN 978-3-7065-4839-7, 17.90 EUR

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Rezension von Jörg Rapp
(erschienen in DMG-Mitteilungen 03/2010 - Wiedergabe mit freundlicher Genehmigung der Redaktion)

Die Katastrophe steht als Ereignis zwischen dem Risiko und der Krise, folgt man ihrer eigentlichen griechischen Bedeutung, der Bezeichnung einer dramatischen  Wende zum Schlimmen. Eine Naturkatastrophe ist daher von schicksalhafter Kraft, begleitet von großem Sachschaden und hohen Opferzahlen. Das ist nur eine von vielen Feststellungen dieses neuen „Katastrophenbuches“.

Es gibt inzwischen eine unüberschaubare Zahl von Publikationen, die den Begriff „Katastrophe“ häufig allzu leichtfertig benutzen. Da erscheint es sinnvoll, sich der Problematik aus multipler Sicht zu nähern. Im Rahmen der Materialien für Unterricht und Wissenschaft (Geschichte-Geographie-Politische Bildung, Band 7) hat der in Innsbruck ansässige Studien-Verlag vor kurzem ein interessantes Buch herausgegebracht und mit Hans von Storch einen prominenten „Paten“ für das Vorwort gefunden. Die Beiträge des Bandes wurden eben nicht nur von Naturwissenschaftlern, sondern auch und insbesondere von Sozial- und Kulturwissenschaftlern verfasst – mit einem besonderen Augenmerk auf die Erziehungswissenschaften. Hans von Storch vermutet richtig, dass eine solche transdisziplinäre Betrachtung die öffentliche Debatte voranbringen könnte.

Schon gleich zu Beginn wird diese Mehrdeutigkeit des Katastrophenbegriffs von ganz verschiedene Autoren angegangen. Christa Hammerl, zuständig für die Geschichte der Naturissenschaften bei der ZAMG, beschreibt beispielsweise die Naturkatastrophen im Laufe der Geschichte und beginnt mit dem berühmten Erdbeben 1755 in Lissabon. Der Meteorologe Reinhard Böhm wiederum macht sich Gedanken über Zusammenhänge von Klimawandel und Extremwerten, und der Sozialwissenschaftler Martin Voss schließlich veranschaulicht den Modebegriff „Vulnerabilität“ aus seiner ganz eigenen Sicht.

Im zweiten Teil des Buches wird auf die Bewältigung von Naturkatastrophen fokussiert. Der Weihnachts-Tsunami in Khao Lak, das Edo-Erdbeben von 1855 und die Problematik der Vulnerabilität – der Begriff taucht erneut auf – ärmerer Bevölkerungsschichten in Megastädten liefern hier ganz unterschiedliches Erfahrungswissen. Schließlich geht der dritte Teil desBandes näher auf fachdidaktische Gesichtspunkte ein. Das Werk schließt mit einem kommentierten Literaturverzeichnis, einem Glossar und einigen interessanten Internet-Links ab.

Der Darstellung eines zitierten Sozialwissenschaftlers, dass die Natur keine „Katastrophen“ kenne, sondern sich einfach nur entwickele, kann ich allerdings nicht nachvollziehen. Ob jeder Lawinenabgang schon eine Katastrophe ist, ist in der Tat fraglich. Aber der Tsunami an Weihnachten 2004 war sicher eine. Und auch der eine oder andere Hurrikan. So bietet das Buch viel Nachdenkenswertes zum Thema. Es wechselt immer wieder die Perspektive, und dieser interdisziplinärer Ansatz ist es, der den Reiz der Lektüre ausmacht.

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